Nachruf auf Studs Terkel

"American library of voice" verstarb am 31. Oktober 2008

„Ausgecheckt“.
Möglicherweise hätte Studs Terkel den Abschied aus seinem bewegten Leben mit diesem Kürzel aus der Reisebranche kommentiert. Am 31. Oktober 2008 ist er im Alter von 96 Jahren in Chicago gestorben.

Studs Terkel

Das Redaktionsteam der Hamburg-Chicago-News ehrt mit diesem Nachruf nicht nur den Pulitzer Preisträger (The Good War), sondern auch den entschiedenen Humanisten, der neben seinem Engagement für die sozialen Rechte der kleinen Leute, stets auch die zutiefst menschlichen Seiten des Lebens hochhielt.

Jeder Tag ist ein guter Tag!
Dieses Motto schien ihm Orientierung, denn Studs Terkel war ein unbeirrbarer Optimist, der es verstand, der Realität ins Auge zu blicken. Etwa, wenn John Lennon in einem seiner Songs das Alter glorifizierte. Dem hielt Studs Terkel seine ganz eigene Erfahrung mit dem Älterwerden entgegen und konterte mit gnädig-humorigem Groll: Er, John Lennon, sei ein verdammter Lügner. Nein, das Alter sei nicht das Beste, sondern raube ihm (Studs) seine Energie. Und dann ertönte sogleich sein raues und herzliches Lachen, denn Bitternis war Studs Terkel´s Sache nicht.

Studs Terkels Einfühlungsvermögen für seine Interviewpartner und die Begegnung auf gleicher Augenhöhe bildeten das Geheimnis seines Erfolges.

Yunmen´s Incorruptness – Homage to Studs Terkle Artist: Gerd Scheuerer / München / Öl auf Nessel 160 x 140/in Privatbesitz

Seine treffenden Bemerkungen und schlagfertigen Kommentare zu gesellschaftspolitischen Themen, wie auch zu Fragen des Alltags waren von Freunden und Gegnern gleichermaßen beliebt und gefürchtet. Seine bestechend unbestechlichen Kommentare gerieten ihm zum Markenzeichen. Bemerkenswert war auch das thematische Spektrum seines arbeitsreichen Lebens. Neben einer Vielzahl von Interviews mit Menschen aus allen sozialen Schichten der amerikanischen Gesellschaft schrieb Studs Terkel Berichte und Bücher, engagierte sich bereits früh gegen die Rassentrennung, schrieb in den 1930er-Jahren im Rahmen des „Federal Writers Project“ gegen das Elend der Depression an, bot als Moderator und Interviewer in seinen Sendungen „Stud´s Place“ und später beim Chicagoer Sender „Radio World Federation of Music Therapy“ interessanten Zeitzeugen ein Diskussionsforum und betätigte sich schließlich als geneigter Kritiker der Musikszene.

Nun ist er gegangen und Amerika hat seine „American library of voice“ verloren.
Aber glücklicherweise hat Studs Terkel seine Spuren hinterlassen.