Groß – größer – Chicago-Marathon 2006

40.000 Starter bei der 29. Austragung am 22. Oktober

Schon seit Jahren zählt der Chicago Lasalle Marathon zu den „Big Five“ der Welt. Mit Boston und New York bildet er das Triumvirat der bedeutendsten US-Marathons. Die ungebrochene Attraktivität dieses Laufs zeigt sich auch daran, dass die 40.000 Startplätze für die 29. Austragung am 22. Oktober 2006 schon viele Wochen vor dem Start ausgebucht waren.

Chicago-Marathon 2006Der gute Ruf des Laufs – schnelle Strecke, Top-Organisation, hoher Zuschauerzuspruch – waren ausschlaggebend, 9 Stunden Flug und 7 Stunden Zeitverschiebung auf sich zu nehmen, um sich für einen außereuropäischen Marathon in Chicago zu entscheiden.
Chicago Marathon

Schon an den beiden Tagen vor dem Lauf konnte man beobachten, wie auf dem Startgelände im Grant Park, der die Hochhausskyline der zentralen Downtown von den Ufern des Michigansees trennt, eine weitläufige Zeltstadt entstand. Auf der Startstraße, dem den Park vielspurig durchschneidenden Columbus Drive, fuhren noch die Autos – aber die Tribünen und Gitter standen schon bereit. Auch wenn viel Platz war, war dennoch schwer vorstellbar, dass sich hier am Sonntag zigtausende Menschen sammeln sollten.

Die Vorstellung wurde von der Realität schon bald eingeholt: Bereits in der Dunkelheit des frühen Sonntagmorgens eilten Menschenströme aus allen Richtungen dem Startgelände entgegen. Um Punkt 8 Uhr war es soweit. Mit dem Startschuss setzten sich über 34.000 Läuferinnen und Läufer in Bewegung. Wie gewaltig die startende Menschenmenge tatsächlich war, sah man am nächsten Tag in einem Luftbild in der Chicago Tribune.

Auf den ersten 5 km ging es zunächst in einer Schleife durch die Häuserschluchten der Downtown, insbesondere des „Loop“, wie das durch die Hochbahn umrahmte Stadtzentrum genannt wird. Gleich drei Mal war dabei der Chicago River zu queren. Gerade von den Brücken boten sich wunderbare Ausblicke auf die morgendliche Skyline mit ihrem bunten Gemisch aus Hochhäusern vieler Jahrzehnte. Faszinierend war, dass sich bereits um diese frühe Zeit die Zuschauer in Massen entlang der Strecke aufgereiht hatten und die Läufer frenetisch anfeuerten. Nach 5 km ging es hinaus aus der Innenstadt und auf endlosen Geraden hoch in den Norden der Stadt hinauf.

Auch musikalisch wurde Einiges geboten: Farbenfrohe Cheerleadergruppen, jede Menge Musikgruppen, vom Kirchenchor bis zur Punkband, und Freiluftdiscos wechselten einander ab. Und dann waren da natürlich noch die ganz „normalen Zuschauer“: Auch Richtung Norden war der Läuferstrom nie allein, wobei sich an bestimmten Plätzen und Straßenzügen die Menschen besonders sammelten und Volksfeststimmung verbreiteten.

15 km – hin und zurück – dauerte der Ausflug in den Norden. Nach 20 km war wieder die sehr viel interessantere Innenstadt erreicht – und damit ein weiterer Höhepunkt in Sachen Zuschauerkulisse. Wo man auch hinschaute: entlang der Straßen, auf Brücken, aus den Fenstern quollen förmlich die Menschenmassen, jubelten, tobten, schrieen und schufen einen Hexenkessel, wie man ihn noch nicht erlebt hat. Das war Gänsehautfeeling pur. 1,5 Millionen Zuschauer sollen an der Strecke gewesen sein, las man hinterher in der Zeitung.

Chicago-Marathon 2006Bei km 38 erreicht man mit der Michigan Avenue jene Straße, die nördlich des Loop als „Magnificent Mile“ die noble Hauptgeschäftsstraße Chicagos bildet. Für die Läufer war im Moment jedoch viel wichtiger, dass es nunmehr nur noch Richtung Norden, dem Ziel zu Füßen der Skyline am Horizont entgegen ging. Ein letzter Schlenker unweit des Ziels führte wieder auf den Columbus Drive. Die lange Zielgerade war gesäumt von Zuschauertribünen und noch ein letztes Mal durfte man jenes phantastische Publikum erleben, das die Läufer johlend und klatschend zum Endspurt anpeitschte.

Auch der Zieleinlauf war perfekt organisiert. Jeder Läufer wurde gleich nach dem Passieren der Ziellinie in eine Wärmefolie gepackt, auch wenn dies angesichts des zwischenzeitlichen temporären Sonnenscheins überflüssig erschien, aufmerksame Sanitäter sprachen sofort jeden an, der etwas wackelig auf den Beinen schien – und das waren eine ganze Menge. Mit einem freundlichen Lächeln und Glückwünschen wurden die Läufer sodann zur Medaillenübergabe empfangen.

Nur 2:06:35 hatte der Sieger ROBERT K. CHERUIYOT aus Kenia gebraucht, die Strecke in Chicago zu bewältigen – aber gefeiert wurden auch alle diejenigen, die noch Stunden danach eintrudelten. 6,5 Stunden lang, länger als bei den meisten europäischen Marathons, war das Ziel geöffnet. Und deutlich über 33.000 Menschen erreichten in dieser Zeit die Ziellinie.

Fazit: Der Chicago Marathon hat erneut seinem guten Ruf alle Ehre gemacht. Wer Marathonveranstaltungen mag, schnelle Strecken liebt und mitreißende Zuschauermassen erleben will, der sollte sich Chicago nicht entgehen lassen. Hinzu kommt eine hervorragende Organisation, die für das Startgeld einiges bietet. Und natürlich ist Chicago auch als Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und direkter Lage am Lake Michigan unbedingt eine Reise wert. Es hat sich gelohnt!

Am 27. April 2008 findet in Hamburg der nächste ConergyMarathon statt. Alle Interessenten am Läuferaustausch zwischen den Partnerstädten finden die nötigen Unterlagen zur Anmeldung auf der Internetpräsenz des Förderkreis Hamburg Chicago e.V. Oder Sie senden eine Email an info@foerderkreis-hamburg-chicago.de.

www.foerderkreis-hamburg-chicago.de
www.hamburg-chicago.de
www.marathon-hamburg.de