Die Rolle des Rap aus Chicago für die Arbeit der HipHop Academy Hamburg

Als Förderprojekt im Bereich der hochkomplexen und häufig kodierten HipHop Kultur, legt die HipHop Academy Hamburg in ihrer Arbeit mit Jugendlichen großen Wert auf eine authentische Vermittlung der Inhalte. Das Trainerteam des Projektes setzt sich ausschließlich aus renommierten Künstlern der Szene zusammen. Darüber hinaus gilt es den künstlerischen Besonderheiten des HipHop Rechnung zu tragen. In diesem Zusammenhang bleibt eine Orientierung an den USA nicht aus, schließlich liegt die Wiege der Kultur in den afroamerikanischen Ghettos der Supermacht.

Welchen greifbaren Einfluss nehmen die Besonderheiten der Szene in Amerika auf ein in Hamburg verortetes Projekt? Da eine umfassende Prüfung dieser Frage den Rahmen eines Artikels um ein vielfaches sprengen würde, wird nachfolgend das konkrete Beispiel zweier Rap-Künstler aus Chicago, einer der Partnerstädte Hamburgs, betrachtet.

HipHop Academy HamburgDie großen Zentren und Knotenpunkte der US-amerikanischen Rap Szene sind ohne jeden Zweifel New York und Los Angeles. Acts wie Public Enemy, Notorious B.I.G, Gang Starr oder die Native Tongues aus dem Big Apple sowie N.W.A., Tupac, Snoop Dogg oder Cypress Hill aus der Stadt der Engel, haben der Szene ihren wuchtigen Stempel aufgedrückt. Anhand dieser ausgeprägten Dominanz bleiben andere kreative Knotenpunkte häufig im Hintergrund und genießen nicht selten eher marginalen Stellenwert im kollektiven HipHop-Bewußtsein.

Eine Stadt mit einer hoch interessanten Rap-Szene ist Chicago.  Sie zeichnet sich zum einen durch eine ausgeprägte stilistische Vielfalt aus und entzieht sich einer eindeutigen Kategorisierung. Zum anderen sind in der windy city zwei Künstler ansässig, die zu den herausragenden Figuren der HipHop Musik im allgemeinen zählen: Common und Kanye West.

Common, gebürtig Lonnie Rashid Lynn, hat sich von einem vielversprechenden Underground-Rapper anno 1992 zu einem kommerziell überaus erfolgreichen Meister seines Faches entwickelt. Neben einer metaphernreichen Sprache und einem souveränen Reimstil zeichnet sich Common durch inhaltlich anspruchsvolle Texte von universeller Zugänglichkeit aus.

Kanye West kann auf einen ähnlichen, kometenhaften Aufstieg zurückblicken. Der Rapper und Produzent erzielte 2001 erstmals große Aufmerksamkeit als Produzent des HipHop Klassikers The Blueprint von Jay Z. Der Rest ist Geschichte: Neben der Produktion von Hit-Singles für Alicia Keys, Janet Jackson und viele andere, ist Kanye West insbesondere als Solo-Künstler zu einem Weltstar aufgestiegen. Seine fünf Soloplatten haben allesamt Platinauszeichnungen erhalten und insgesamt nicht weniger als 14 Grammys abgeräumt. Während sein Rapstil sich in eher überschaubaren Breiten bewegt, sind es die musikalischen Fertigkeiten des 33-jährigen Künstlers, die besonderes Augenmerk verdienen. Mit einer großen Palette von musikalischen Einflüssen von Pop, Rock und Folk bis Klassik, R&B und Funk, versteht es Kanye West wie kaum ein anderer, einen zugleich komplexen und anspruchsvollen, wie auch zugänglichen Sound zu entwerfen.

Letztlich zeichnen sich beide Künstler dadurch aus, dass ihnen der Spagat zwischen traditionellen HipHop Werten und einer visionären Ausrichtung ihrer Kunst gelingt. Sie eignen sich Altbewährtes an und finden immer neue Kombinationsmöglichkeiten.  Der Ansatz, sich als Teil einer Tradition zu begreifen ohne bloßen Plagiarismus zu betreiben, lässt sich eins zu eins auf die Arbeit der HipHop Academy Hamburg übertragen. Besonderes Augenmerk der Arbeit des Förderprojektes gilt der authentischen Vermittlung der HipHop Kultur. So umfassen die Unterrichtseinheiten neben praktischen Anteilen immer auch theoretische Einheiten zur Geschichte des HipHop. Auf der anderen Seite begreift die Academy ihre Teilnehmer als Individuen mit all ihren Stärken und Schwächen. Ziel ist es daher, die individuellen Talente auszuloten bzw. zu fördern und Horizonte zu erweitern. Nur auf diese Weise können im Rahmen der HipHop Academy CDs produziert werden, die sich von der Masse abheben ohne den Kontakt zu den Wurzeln zu verlieren.