Das Monadnock Building

65 Meter Höhe reines Mauerwerk

Es ist ein Koloss von einem Bauwerk, doch erscheint es eher kraftvoll als schwerfällig, eher elegant als plump. Als einer der letzten Entwürfe des großen Chicagoer Architekten John Root besticht das Monadnock Building durch eine strenge, ausdrucksvolle Geometrie. Mit seinen 65 m Höhe ist es nicht eigentlich ein Wolkenkratzer, sondern ein sechzehnstöckiges Bürohochhaus mit einer Ladenfront an der Basis.

Die größte architekturgeschichtliche Besonderheit des Monadnock besteht darin, dass dieser Bau, der bereits auf die Architektur der Moderne verweist, reines Mauerwerk ist. 1891, im Jahr seiner Entstehung, existierten schon mehrere Eisen- und Stahlkonstruktionen, an denen wie an einer Art Skelett die Fassade angebracht ist. Hier jedoch sind die Eckpfeiler an der Basis bis zu 1,80 Meter dick und verjüngen sich nach oben nur unwesentlich. Das enorme Gewicht, das das tragende Mauerwerk ausübt, konnte nur durch starke Stahlbalken im Fundament in Kontrolle gehalten werden. Höher hätte man mit dieser konventionellen Bauweise nicht mehr bauen können, und so ist es wohl das weltweit höchste Backsteinhaus.

Monadnock Building
Monadnock Building, 53 West Jackson Street, 1890-91

Ein gewisser Peter Brook aus Boston hatte einige Jahre vor der Errichtung des Monadnock ein Stück Land erworben, das von der Südwestecke Dearborn Street und Jackson Blvd. bis zur Van Buren Street reichte. Obgleich der „Loop“, jene durch die Hochbahn markierte Schleife, heute zu Chicagos Zentrum gehört, war das Grundstück damals eher in der Peripherie angesiedelt, „in the ragged edge of town“, wo einfache Holzhütten von nur einem Stockwerk dicht nebeneinander standen. Die Firma Burnham & Root legte zunächst Entwürfe „im ägyptischen Stil“, also mit exotischen Dekorationen, vor, und es ist nicht ohne Ironie, dass Root später ausgerechnet die glatte Flächigkeit des Baus mit der von Pyramiden vergleichen sollte. Die mächtige Fassade zeigt am Sockel eine leichte Krümmung, die ihr einen fließenden Rhythmus verleiht, doch ansonsten antizipiert sie den „slab“, also ein flaches, lang gezogenes Gebäude in Form einer horizontalen oder vertikalen Scheibe. Um einen optimalen Lichteinfall zu gewährleisten, fand Root eine geniale Lösung: elegant gebogene Erker mit jeweils vier Fenstern alternieren mit tief eingelagerten Fensterhöhlen, so dass im Detail eine Mischung aus vornehmer Villa und Trutzburg entsteht.

Das Monadnock, das wenig später Holabird & Roche um einen südlichen Anbau erweiterten, besitzt eine skulpturale Durchformung, die Kritiker an eine kinetische Skulptur oder an plastische Kunst erinnerte. Dabei verdankte sich die protomoderne Einfachheit einer ganz banalen Anweisung seitens des Bauherrn: die Fassade solle möglichst wenige Vorsprünge oder Einschnitte aufweisen, da sich darin doch nur Schmutz und Taubendreck ansammelten… Ab 1979 wurde das Gebäude innen wie außen umfangreich renoviert, so auch die Mosaik-Fußböden und – damals höchst ungewöhnlich – die Treppen aus Aluminium. Es lohnt, einen Abstecher zum Monadnock zu machen, und sei es nur, um sich in einem der Läden einen Bagel zu kaufen und dann einen Blick auf ein großes Monument Chicagoer Baukunst zu werfen.